Teil 2: Unsere Verantwortung für Israel

Im ersten Beitrag haben wir über den Rückzug der Christen aus der gesellschaftlichen Verantwortung und den schleichenden Werteverlust gesprochen. Doch es gibt ein Thema, bei dem „Neutralität“ oder „Zurückhaltung“ für uns Christen nicht nur ein politisches Versäumnis, sondern ein geistlicher Verrat sind: Unsere Haltung zum Volk Israel und zum jüdischen Leben in Deutschland.

Für uns Christen sind Israel und das Judentum keine Randthemen. Sie sind zentral. Unser Glaube ist untrennbar mit dem Volk Israel verbunden. Jesus Christus war Jude. Die Bibel ist ohne Israel nicht denkbar. Deshalb ist Antisemitismus nicht nur politisch verwerflich, sondern geistlich unvereinbar mit dem christlichen Glauben. Wenn jüdisches Leben angegriffen wird, wird die Wurzel unseres eigenen Glaubens angegriffen.

Ein Dach für Freiheit – oder für Radikalismus?

Wir berufen uns in Deutschland zu Recht auf die Glaubensfreiheit. Doch unter diesem wichtigen Dach finden wir heute immer öfter antisemitische Rufe und radikale Aktivisten, die unsere Grundrechte mit Füßen treten. Wir müssen ehrlich genug sein, die Auswirkungen einer schleichenden Islamisierung beim Namen zu nennen.

Es geht hier nicht um eine pauschale Verurteilung von Menschen, sondern um die Warnung vor einer Ideologie, die den politischen Islam über unser Grundgesetz stellt. Wenn auf deutschen Straßen die Vernichtung Israels gefordert wird, ist das kein Ausdruck von „Religionsfreiheit“, sondern ein Angriff auf die menschliche Würde und unsere historische Verantwortung.

Die Mahnung der Geschichte: Der Iran als Warnsignal Deutschland muss hier ängstlich in nahe und ferne Länder schauen. Ein Blick auf die Geschichte des Iran sollte uns eine Warnung sein. Vor der islamischen Revolution war das Land ein Ort kultureller Vielfalt und Modernität. Die Machtergreifung einer radikalen Theokratie verwandelte es in ein Regime, das Oppositionelle unterdrückt, Israel mit Vernichtung droht und religiöse Minderheiten verfolgt.

Solche Entwicklungen beginnen nie mit dem großen Knall. Sie beginnen damit, dass eine Gesellschaft wegschaut, wenn kleine Gruppen beginnen, den öffentlichen Raum ideologisch zu besetzen. Sie beginnen mit dem Schweigen der Mehrheit.

Warum wir nicht schweigen dürfen

In Deutschland erleben wir derzeit einen traurigen Höchststand antisemitischer Straftaten. Jüdinnen und Juden fühlen sich in unseren Städten oft nicht mehr sicher. Wenn wir als Christen hier schweigen, wiederholen wir die Fehler der Vergangenheit.

Die besondere Verantwortung Deutschlands gegenüber dem jüdischen Volk darf niemals zur bloßen Floskel verkommen. Sie ist Mahnung und Auftrag zugleich. Wir müssen aufstehen gegen jede Form von Judenhass – egal, ob er aus dem rechten, dem linken oder einem islamistischen Spektrum kommt.

Wer Israel dämonisiert oder jüdisches Leben infrage stellt, stellt sich gegen fundamentale Werte unserer Geschichte und unseres Glaubens. Unsere Solidarität muss praktisch werden: Im Gebet, im Gespräch und im klaren Widerspruch, wenn Wahrheit verdreht wird.

Ausblick auf Teil 3: Die zunehmende Anfeindung gegenüber Christen im Westen und die weltweite Christenverfolgung. Wie gehen wir mit der negativen Stimmungsmache um? Und wie werden wir endlich wieder zu dem, was wir sein sollen: Salz und Licht in dieser Welt?

Teil 3 —->