Teil 1: Familienpolitik und Medien
Es ist ein unbequemer Gedanke, aber wir sollten ihn nicht länger verdrängen: Wir Christen tragen Mitverantwortung dafür, dass unser Land und seine Politik zunehmend ihre moralische Orientierung verlieren. Nicht weil wir zu laut oder zu mächtig gewesen wären, sondern weil wir uns zu oft zurückgezogen haben. Weil wir Politik oft als etwas rein „Weltliches“ betrachtet haben, dem man sich besser fernhält. Weil wir geschwiegen haben, wo Orientierung nötig gewesen wäre.
Eine freie Gesellschaft lebt nicht allein von Gesetzen, Institutionen oder Mehrheiten. Sie lebt von inneren Voraussetzungen. Von Menschen, die Wahrheit achten. Von Gewissen, das nicht beliebig ist. Von Verantwortung, die nicht delegiert wird. Der freiheitliche Staat kann diese Voraussetzungen nicht selbst erzeugen. Er setzt sie voraus. Wenn diese Grundlagen schwinden, beginnt Freiheit sich selbst zu untergraben.
- Ohne Wahrheit wird Demokratie zur Fassade.
- Ohne Gewissen zur bloßen Verwaltung von Interessen.
- Ohne Werte zum Spielball der Lautesten.
Familie als Fundament der Gesellschaft
Dabei zeigen andere europäische Länder, dass Politik hier sehr wohl gestaltend wirken kann. In Staaten wie Polen wurde mit dem Programm „800+“ eine direkte finanzielle Anerkennung pro Kind geschaffen, die Familien unabhängig vom Einkommen absichert. Tschechien setzt auf ein flexibles Elterngeldsystem und direkte Steuerboni, die die Steuerschuld pro Kind senken – ein Modell, bei dem Kinder nicht als privates „Armutsrisiko“, sondern als wertvoller gesellschaftlicher Beitrag begriffen werden.
In Deutschland hingegen fehlt eine solche klare Linie. Besonders schmerzhaft ist die aktuelle Entwicklung in Bayern, das lange als Vorreiter für Familien galt. Mit der Streichung des Familiengeldes und dem Verzicht auf das geplante Kinderstartgeld im Jahr 2026 wurde die direkte finanzielle Unterstützung von Eltern zugunsten einer reinen Systemförderung aufgegeben. Wenn Geld nur noch in die Verwaltung von Institutionen fließt, statt die Wahlfreiheit und Erziehungskraft der Eltern direkt zu stärken, wird Familie zum bloßen „Betreuungsfall“ herabgestuft.
Wer Kinder bekommt, trägt die Hauptverantwortung für die Zukunft unseres Landes, wird aber im Alltag oft steuerlich belastet statt entlastet. Wir brauchen eine echte familienpolitische Wende. Denkbar sind Modelle wie ein echtes Familiensplitting (analog zum Ehegattensplitting), bei dem das Familieneinkommen durch alle Köpfe geteilt wird. Dies würde zu einer prozentualen Absenkung der Steuerlast führen, die diesen Namen wirklich verdient.
Familienpolitik ist keine Sozialromantik. Sie ist Demografiepolitik, Zukunftssicherung und Verantwortungspolitik zugleich. Kinder sind kein Kostenfaktor. Sie sind Zukunft.
Medien, Wahrheit und Verantwortung
Eine weitere tragende Säule jeder Demokratie ist eine freie, wahrhaftige und unabhängige Medienlandschaft. Medien prägen die öffentliche Meinungsbildung. Problematisch wird es dort, wo Narrative gesetzt werden, statt Sachverhalte sauber einzuordnen. Wo Aussagen verkürzt oder verdreht werden, um ein bestimmtes Bild zu erzeugen.
Gerade öffentlich-rechtliche Formate wie „Markus Lanz“ müssen sich an Wahrheit und Fairness messen lassen. Medien dürfen nicht erziehen oder moralisieren. Sie müssen informieren. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk braucht deshalb eine ernsthafte Reform: Mehr Transparenz, mehr Meinungsvielfalt, weniger moralische Vorfestlegung. Vertrauen entsteht nicht durch Belehrung, sondern durch Glaubwürdigkeit.
Wie tief das Misstrauen sitzt, zeigte eine fast schon ironische Anekdote auf LinkedIn: Der Kanal des Bundesverfassungsschutzes postete ein Worträtsel-Bild. Durch einen skurrilen Zufall waren in dem Buchstabensalat ausgerechnet die Buchstaben „NO GEZ“ hintereinander angeordnet. Die Behörde stellte sofort klar, dass dies rein zufällig war. Doch dass so ein kleiner „Glitch“ sofort für hunderte Reaktionen sorgt, zeigt deutlich: Der Humor der Bürger ist oft die letzte Antwort auf ein System, das viele als reformunfähig empfinden.
Zensur als Warnsignal und das Schweigen der Verantwortlichen
Besonders alarmierend ist es jedoch, wenn Politiker offen nach Einschränkungen der Meinungsfreiheit rufen. Ein deutliches Warnsignal war die Forderung von Daniel Günther (CDU) anfang 2026 bei Markus Lanz, der eine stärkere Regulierung und Sperrung von Inhalten im digitalen Raum befürwortete, die er als „gesellschaftsschädigend“ oder „demokratiefeindlich“ einstuft. Solche schwammigen Begriffe öffnen der Willkür Tür und Tor. An diesem Punkt müssen Christen besonders hellhörig werden. Nicht aus parteipolitischem Kalkül, sondern aus historischer Verantwortung.
Bedenklich ist dabei nicht nur die Forderung selbst, sondern das dröhnende Schweigen jener, die sich sonst als Verteidiger der Freiheit inszenieren. Wo blieb der klare Widerspruch von Markus Söder? Warum hört man von profilierten bayerischen Abgeordneten wie Reinhard Brandl, die sich intensiv mit Digitalpolitik befassen, keine deutliche Distanzierung von solchen Zensurgedanken?
Selbst auf direkte Anfrage und die Bitte um eine politische Einordnung dieser gefährlichen Tendenzen gab es von Seiten Söders und Brandls keinerlei Rückmeldung. Dieses Ausweichen vor der Verantwortung ist symptomatisch. Wenn politische Akteure aus taktischen Gründen schweigen, während die Grundpfeiler der Meinungsfreiheit wackeln, entziehen sie der Demokratie den Boden.
Deutschland trägt eine besondere Schuldgeschichte. Antisemitismus begann nie mit Lagern, sondern immer mit Sprache, Ausgrenzung und dem Unterdrücken abweichender Meinungen. Wo Wahrheit definiert statt gesucht wird, öffnet sich ein gefährlicher Raum. Meinungsfreiheit ist keine Nebensache, sondern eine Lehre aus unserer Geschichte.
Wer hier schweigt und Bürgeranfragen ignoriert, macht sich mitschuldig am schleichenden Verlust unserer Freiheit. Wir Christen dürfen nicht länger die „stillen Beobachter“ am Spielfeldrand der Demokratie sein. Wenn wir das Wort nicht ergreifen, tun es andere – und die Konsequenzen tragen wir alle in der Familie und in der Öffentlichkeit.

Ausblick auf Teil 2: Im nächsten Beitrag: Warum unsere historische Verantwortung gegenüber Israel und dem Judentum heute mehr denn je auf dem Prüfstand steht.
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